Querkerla Sage
Aus dem Buch "Am Sagenborn des Bayernlandes", erzählt von Paul Lang... ein älteres Buch in altdeutscher Schrift aus dem Schrank meines Großvaters (gelebt 1906-1980), ca. 30-er/40-er Jahre des 20.Jhrs. (evtl. auch älter).

"Das Querkelesloch auf dem Staffelberg"
Im Querkelesloch auf dem Staffelberg hatten die Querkelen seit vielen Menschengedenken ihre Heimstätte. Sie waren kunstfertige Schneider und verstanden es, Flicken in zerrissenen Kleidern zu setzen, daß keines Menschlichen Auge die Nähte entdecken konnten. Sie aßen alle Tage Klöße und kochten doch nie und darüber wunderten sich alle Leute, die davon wußten. Nun kamen aber einmal die Bäuerinnen der Gegend auf den Einfall, die Querkelen könnten ihre Kostgänger sein und heimlicherweise Klöße aus ihren Töpfen holen.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, fingen die an, die Klöße zu zählen, wenn sie dieselben einlegten. Die Querkelen durften sich an gezählten Sachen nicht vergreifen, könnten sich nicht mehr halten und zogen in die Fremde. Sie wanderten nach dem Dorfe Wiesen und ließen sich dort von dem alten Mainfährer übersetzen. Die Fähre wurde bis zum letzten Winkelchen voll, als das niedliche Gewimmel Platz genommen hatte, so viele waren es der Männlein. Als das andere Ufer erreicht war, sprangen sie alle mit einem "Vergelts Gott!" Aus dem Schiffe und setzten ihre Wanderung fort. Der Fährer hatte ein gutes Gemüt und war ihnen nicht böse, daß sie kein Fahrgeld bezahlten; denn er hatte es an ihren bekümmerten Mienen gesehen, daß sie auf keiner Lustfahrt unterwegs waren, und an ihren armseligen Bündelchen, daß sie keinen Überfluß mit sich führten. Er setzte auch noch ein verspätetes Paar über, das kläglich schrie, als es an den Main kam und die Fahrbrücke schon schwimmen sah. Die Brüde war kaum gelandet, da sprang der eine der Wichtel schon hinaus und rannte davon, seinen Brüdern nach. Der andere aber verhielt noch einen Augenblick und fragte den Schiffer, ob ihm ein Hut voll Geld als Fahrlohn lange. Der Fährmann sah es wohl, daß dem Kleinen der Schalk im Nacken saß; er entgegnete aber ernsthaft, mit einem Hut voll Geld wäre er recht zufrieden. Da griff der Zwerg in die Tasche, zog ein niedliches Fingerhütchen hervor, legte ein Hellerlein darauf und reichte es dem Fährer. Der lachte hell auf über das drollige Reichnis, nahm den seltsamen Fahrlohn aber als Andenken an die Überfahrt der Querkelen zu sich und wünschte dem davoneilenden Männlein glückliche Reise.
Seitdem hat man auf dem Staffelberg keine Querkelen mehr gesehen.
